„Am Ende leuchteten nicht die Sterne am hellsten“ Gelegentlich führt einen das Leben genau dorthin zurück, wo alles einmal begonnen hat. Für Markus Frimmersdorf war das an diesen Tagen seine ehemalige Grundschule. Derselbe Schulweg, derselbe Klassenraum und sogar einige Lehrerinnen und Lehrer, die auch mehr als zehn Jahre später fest zum Inventar der Erich-Kästner-Grundschule in Elsdorf-Esch gehören. Vieles war gleichgeblieben. Nur Markus nicht. Früher Schüler, heute leidenschaftlicher Tischlergeselle. An jeweils einem seiner drei verschenkten Urlaubstage standen rund zwanzig Viertklässler um ihn herum. Gespannt warteten sie darauf zu erfahren, wofür die sämtlichen Holzstücke und Werkzeuge auf ihren vorbereiteten Tischen gedacht waren. Dort, wo sonst gerechnet, diktiert und um Hausaufgaben-Frei gespielt wird, lagen plötzlich Werkstücke, viel Schleifpapier und Holzleim bereit. Bereits die Aussicht auf diese praxisnahen Stunden war für viele Kinder etwas Besonderes. Einige hatten noch nie einen Nagel in ein Holzstück geschlagen, geschweige denn mehrere geometrisch anspruchsvolle Teile passgenau miteinander verbunden. Anfangs arbeiteten sie vorsichtig, tasteten sich heran und konnten nicht jedem Schritt des frischgebackenen Holzprofis sofort folgen. Doch mit wachsendem Vertrauen wurde eifrig geschliffen, gefühlt und veredelt. Manche Sterne benötigten Geduld, andere fügten sich fast wie von selbst zusammen.Ein Satz fiel an allen Tagen immer wieder: „Freunde, arbeitet zusammen und nicht gegeneinander. Ihr seid ein Team.“ Der eine oder andere war anfangs noch überzeugt, alles allein schaffen zu können. Doch selbst Kinder, die sonst eher zurückhaltend sind, wie eine Lehrerin berichtet, brachten sich schnell ein und merkten, wie hilfreich und effektiv Teamarbeit sein kann. So gelang es allen, dem zugegebenermaßen recht straffen Zeitplan zu folgen und dabei sichtbar Spaß zu haben. Aus Unsicherheit wurde Freude, aus ersten Versuchen Stolz auf jeden vollendeten Zwischenschritt. Am Ende der Woche lagen 68 Sterne der Kinder vor ihnen, dazu drei Lehrer-Sterne und drei Vorführsterne. Dann kam der Moment, auf den Markus Frimmersdorf besonders hin gefiebert hatte. Die Schülerinnen und Schüler stellten sich zu einer Sternformation auf, aus 74 Holzsternen entstand ein großes gemeinsames Bild. Ein Bild, das die Kinder hoffentlich noch lange an diese besondere Vorweihnachtszeit in ihrer bald ehemaligen Grundschule erinnern wird. Doch es entstand mehr als nur ein Foto. Es geschah etwas, das keine Kamera einfangen kann. Heller als alle Holzsterne leuchteten die Augen der Kinder. Authentisch, stolz auf das selbst Geschaffene und voller Freude. Dieses Leuchten war der wahre Erfolg. Kein Stern am Nachthimmel und keine Lichterkette könnten heller strahlen. Für Markus Frimmersdorf waren diese Tage rückblickend ein Geschenk an sich selbst. Zurückzukehren an den Ort, an dem wichtige Grundsteine gelegt wurden, bedeutete ihm viel. Besonders, weil er dort auch seine ehemalige Lehrerin Birgit Geffe wiedertraf. „Kurzzeitig stand ich hinter ihr und habe erklärt, so wie damals, nur andersherum“, erzählt er schmunzelnd. „Kinder geben einem so viel. Diese Dankbarkeit ist unbezahlbar.“ Am Ende traten die Sterne ihre Heimreise an. Zum Weihnachtsbaum, ans Fenster oder an einen anderen besonderen Platz. Das Wichtigste jedoch nahmen die Kinder in ihrem Herzen mit. Die Erinnerung an ein einmaliges Erlebnis in ihrer Schulzeit. Die Pläne für das nächste Jahr stehen bereits fest. Auch dann wird Markus Frimmersdorf sich wieder Zeit für seine alte Schule nehmen, um Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.

Schreiner Markus bastelt im Jahrgang 4
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